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  Lebenslauf
 
 Letzte Aenderung: 14.01.2016

Lebenslauf eines Pechvogels

Als ich vor hundert Jahren geboren wurde, war ich noch sehr jung, und das Pech verfolgte mich schon von klein auf. Wir waren so arm, dass bei uns sogar die Mäuse mit verweinten Augen herumliefen. Meine Eltern waren gerade ausgegangen, - der Ofen auch.

Als ich geboren wurde, waren meine Eltern gerade auf dem Felde, um Kartoffel zu holen. Es war nicht unser Feld, aber wir holten dort immer unsere Kartoffel.

Der Vater hatte viele Schulden. Er sagte immer: "Wer mich mahnt, dem bezahle ich nichts und wer mich nicht mahnt, bei dem warte ich so lange, bis er mich mahnt!". Wenn einer kam und wollte Geld haben, so lachten wir nur. - Wir kamen aus dem Lachen gar nicht mehr heraus! Zurzeit aber sitzt mein Vater im Gefängnis - wegen seines Glaubens. Er glaubte nämlich, die Miete nicht bezahlen zu müssen.

Wir waren 20 Geschwister usw. 10 Mädchen, 9 Buben und ein Blindgänger. Wir schliefen in einem Zimmer, mit Gasmasken. Das Handtuch stand gleich hinter der Tür. Da wir nur ein Bett hatten, war es mit dem Schlafengehen sehr schwierig. Das erste Kind wurde ins Bett gelegt und wenn es eingeschlafen war, wieder herausgenommen und an die Wand gestellt. Dann kam der nächste an die Reihe. Nur mit dem Wecken war es etwas schwieriger. Ich bin einmal 14 Tage stehen geblieben, und es war gar nicht aufgefallen. Mit dem Essen war es ähnlich.

Bei uns gab es immer Suppe. Morgens und Mittags Suppe. Abends hängten wir dann unsere Bäuche über den Ofen und wärmten die Suppe von Mittags wieder auf. Unsere kleineren Geschwister wurden mit Trockenmilch ernährt. Man brauchte sie daher nur abzustauben.

Dabei waren wir aber eine vornehme Familie. Meine Mutter war eine "von und zu", mein Vater dagegen ein "auf und davon".

Wir waren auch sehr musikalisch. Meine Mutter nähte auf einer "Singer"-Nähmaschine. Mein Vater war Pianoträger bei der Fa. Zieher. Einer meiner Brüder sang sehr tief und jetzt brummt er schon zwei Jahre. Am musikalischsten war aber meine kleine Schwester. Sie ging bei der Geburt gleich flöten.

Wir waren auch eine sehr interessante Familie. Mein Bruder ist auf der Universität in Heidelberg und steht dort in Spiritus, weil er drei Köpfe hatte. Die Jungens hießen alle Franz, bis auf Emil, der heißt Paul.

Als ich zur Schule kam, war ich sechs Jahre alt. Ich war immer der Liebling meiner Lehrer, so dass ich verschiedene Klassen zweimal machen durfte. Einmal wurden wir gefragt, welchen Beruf Goethes Faust hatte. Als sich wirklich keiner gemeldet hatte, sagte ich: "Schneider, Herr Lehrer!" Mein Lehrer fragte mich, "Warum?" Ich sagte: "Als er zur Grete ins Zimmer kam, rief er: "Hier möchte ich säumen!"

Brachten wir schlechte Noten nach Hause bekamen wir mit dem Ausklopfer Prügel. Brachten wir gute Noten nach Hause, wurde ein neuer Ausklopfer gekauft.

Also mit dem Geld geht es mir heute noch so. Unlängst musste ich meinen Ofen versetzen, damit ich mir Brennmaterial kaufen konnte! Ich hatte gestern noch € 20,-. Dafür habe ich mir eine Geldbörse gekauft, und das Geld war wieder weg.

Da gibt es Leute, die haben sehr viele Millionen und sind sehr unglücklich. Und da gibt es wieder andere, die haben nur eine kleine Million und sind die glücklichsten Menschen der Welt.

Durch die schlechte Finanzlage meiner Familie, war ich gezwungen, gleich nach der Schule einen Beruf zu ergreifen.

Zuerst schickten mich meine Eltern zu einem Schmied in die Lehre. Das war ein sehr wortkarger Mann. Als ich am ersten Tag mit einem schüchternen "Guten Morgen" in die Werkstätte kam, sagte er nur: "Das ist der Amboss, und das ist der Vorschlaghammer. Wenn ich mit dem Kopf nicke, schlägst du zu!" Er hat nur einmal genickt, und vier Tage später war das Begräbnis.

So musste ich mir also eine andere Arbeit suchen. Ich landete bei einem Kaufmann. Als ich am zweiten Tag im Laden bedienen durfte, wollte eine Kundin 10 dag Emmentaler, worauf ich kurz antwortete: "Leider, gnädige Frau, Emmentaler" Haben wir nicht!"... Als die Dame beleidigt abgerauscht war, ermahnte mich der Meister und meinte, dass ich ungefähr so sagen hätte sollen. "Leider, gnädige Frau, Emmentaler ist gerade ausgegangen, dürfte es vielleicht Edamer sein?" - Am nächsten Tag kam eine Kundin und wünschte eine Rolle WC-Papier. "Leider, gnädige Frau", sagte ich, "Klosettpapier ist gerade ausgegangen, aber ein gutes Schmirgelpapier hätten wir!" Und aus war es mit dem Kaufmannsberuf, besonders deshalb, da ich am nächsten Tag ausrutschte und mit der rechten Hand in der Kasse hängen geblieben war.

Nach langem Nachdenken, welchen Beruf ich nun gerne ergreifen möchte, fiel mir ein altes Gedicht aus der Schulzeit ein, in welchem erzählt wird, wie Mutter und Kinder dem Vater die Haare schneiden, usw. "Was schert mich Weib, was schert mich Kind" usw. heißt es dort. So beschloss ich, mich dem Friseurberuf zu verschreiben. Am dritten Tag hatte ich einen Herrn zu rasieren. Ich fragte freundlich: "Habe ich Sie nicht schon einmal bedient?" "Nein", sagte er, "die Narben habe ich von einem Autounfall!" - Als ich den Hals rasiert hatte, verlangte er ein Glas Wasser. Auf meine Frage, wozu er es brauche, antwortete er: "Ich will nur prüfen, ob meine Gurgel noch dicht ist!" Im weiteren Verlauf der Rasur fiel noch ein Ohr des Herrn dem Messer zum Opfer. Ich bat ihn, es zu verstecken, damit es der Chef nicht sähe.

Nach all diesen Misserfolgen im Handwerk beschloss ich, mich der Kunst zu widmen. Ich schwärmte ja schon immer für die Musik. Es war jedes Mal ein erhebendes Gefühl, wenn ich z.B. den "Einzug der Isolatoren" aus der Oper "Elektra" von Siemens und Halske hörte.

So beschloss ich also, mein erstes Konzert zu geben. In zehn Minuten war der Saal leer, nur ein Herr in der 6. Reihe war noch da. Er hatte einen Schlaganfall erlitten. Als ich die Arie "Wenn ich ein Vöglein wär" gesungen hatte, rief ein Herr im Parkett "Gebt mir ein Gewehr, damit ich das Vöglein dort abschießen kann!". Nach der Vorstellung kam der Kapellmeister zu mir und sagte: "Mann, Sie sind ja ein Tauber, sie hören ja nicht, was sie singen!" Der Intendant drückte mir bewegt die Hand ins Gesicht. Der Direktor aber sagte: "Sie sind unbezahlbar!" - Er hat mir übrigens auch nichts gegeben.

Nach diesem Misserfolg, beschloss ich der Musik ade zu sagen und mich dem Sprechstück zuzuwenden. Ich war überzeugt, mich dort durchzusetzen. "Sein oder nicht sein", heißt es in Goethes "Räuber". Und so beschloss ich, mich gleich in einer Hauptrolle einzuführen. Ich spielte in "Wilhelm Tell" den Gessler. Als ich nach dem Todesschuss am Boden neben dem Pferd lag, -wir spielten natürlich mit einem echten Pferd-, machte es plötzlich über mir Bewegungen, die es bei den Proben nicht gemacht hatte. Auf einmal kam ein Apfel, aber nicht Tell´s Apfel, sondern einer vom Pferd, und noch einer, und noch einer... es hörte gar nicht mehr auf, und ich lag als toter Gessler da und durfte mich nicht einmal rühren.

Das Beste kam jedoch erst am nächsten Tag, als ich im Abendblatt meine Kritik las: "Was den Darsteller des ‘Gessler’ betrifft, so schließen wir uns der Kritik des Pferdes an". Ich schrieb dem Kritiker sofort ein paar Zeilen: "Ich sitze hier im kleinsten Raum meiner Wohnung und lese Ihre Kritik. Noch habe ich sie vor mir, bald aber werde ich sie hinter mir haben".

Als nächstes spielte ich in einer Wanderbühne -alle großen Künstler haben dort einmal angefangen- in einem Ritterstück. Ich spielte einen Raubritter. Wir hatten die Burg des braven Ritters "Kuno" gestürmt und alles niedergemetzelt. Auf einmal passierte einem toten Ritter etwas Menschliches, und das ganz laut. Einige Leute lachten schon, als ich das Schwert nochmals zückte und es dem Ritter mit den Worten: "Was, Elender, du röchelst noch?" in den Bauch stieß. Dann durfte ich in einem Wildstück die "wilde Sau" spielen. Im weiteren Verlauf meiner Künstlerlaufbahn habe ich dann im "Lohengrin" den Schwan gespielt. Das wurde mir aber dann vom Arzt verboten, denn durch das dauernde mit dem Bauch auf dem kalten Wasser liegen setzten sich bei mir Kesselsteine an. "Na ja", dachte ich, "es muss ja nicht gerade die Kunst sein!"

So wandte ich mich dem Sport zu. Ich wollte mich boxenderweise gesundstoßen. Doch als ich meinen Gegner sah, dachte ich: "Oh, hätte ich das doch lieber gelassen! Auf Wiedersehen im Krematorium!" 5000 Leute waren im Sportpalast und keiner kam mir zu Hilfe? Nach dem dritten Schlag war ich K.o, das heißt soviel wie "Kandidat der Ortskrankenkasse". Seither bin ich so vergesslich. Wenn mir einer € 100,- borgt, dann kenne ich ihn am nächsten Tag nicht mehr.

Unlängst lag ich im Bett und wusste nicht genau, ob ich schon eingeschlafen war, oder nicht. Ich machte zur Sicherheit meine Augen nochmals auf, um nachzusehen, ob sie auch zu waren. Später wachte ich nochmals auf, sah in den Spiegel und habe mich nicht gesehen. Erst nach einigen Minuten fiel mir ein, dass der Spiegel gar kein Glas hatte.

Ich habe jetzt auch schon ein Handy, Gestern versuchte ich mich anzurufen, aber ich habe mich nicht gemeldet, jetzt weiß ich aber nicht: War ich nicht zu Hause, oder wollte ich bloß nicht mit mir sprechen.

Ich versuchte auch schon mich zu Klonen: einmal für die Arbeit, einmal für Zuhause, und ins Wirtshaus ginge ich dann selbst; wenn ich dann voll bin kann ich mich selbst abholen ohne dass ich von der Arbeit Fernbleibe.

Ich habe seither Momente, da kann ich mich selbst nicht ausstehen. So ging es mir neulich. Ich hatte so eine Wut auf mich, dass ich mich auf der Straße stehen ließ und einfach weiter ging. Ich habe mich noch einmal nach mir umgesehen, aber ich war schon weg.

Wenn man selbst nicht mehr weiter weiß, dann geht man zur Polizei. Mein Vorgesetzter sagte: "Bis zu diesem roten Punkt müssen sie gehen". Ich zog los. Nach 16 Tagen kam ich wieder zurück. Es war das Schlusslicht eines Fernlasters, der aus Hamburg kam.

So möchte ich an den Schluss einen weisen Lebensgrundsatz setzen:

 

"Und ist das Leben noch so mies,

mag´s schneien oder stürmen,

der Gott, der Cognac wachsen ließ,

der wird dich schon beschirmen!"

 



 
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